11 Interaktion und Interaktivität
Interaktion
Im Kontext der Fernlehre entwickelte Michael G. Moore (1989) eine Typologie von Interaktionsformen, die für die Gestaltung digitaler Lern- und Lehrumgebungen bis heute bedeutsam ist. Interaktion gilt in der Bildungsforschung als ein zentrales Element erfolgreichen Lernens. Gleichzeitig wird der Begriff jedoch sehr unterschiedlich verwendet und interpretiert. Anderson (2003) verweist auf die Definition von Wagner (1994), die Interaktion als einen wechselseitigen Einflussprozess zwischen mindestens zwei Objekten oder Akteuren beschreibt. Diese Definition macht deutlich, dass Interaktion nicht nur den Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden umfasst, sondern auch die kognitive Auseinandersetzung der Lernenden mit Inhalten einschliesst.

Interaktivität
Im Zusammenhang mit digitalen Lernumgebungen wird häufig der Begriff Interaktivität verwendet, oft sogar synonym zu Interaktion. Dabei handelt es sich jedoch um ein anderes Konzept: Interaktivität beschreibt die technischen Funktionen eines Mediums – etwa die Möglichkeit zu navigieren, Eingaben zu tätigen oder die Darstellung der Inhalte zu verändern (vgl. Zumbach, 2021).
Aktivität
Erkunde die H5P‑Beispielsammlung, um einen Eindruck der interaktiven Lerninhalte zu erhalten.
H5P ist ein Open‑Source‑Tool, mit dem sich interaktive Mini-Lerninhalte wie Quizze oder Übungen einfach erstellen und in Lernplattformen einbetten lassen.
Digitale Lernmaterialien können dadurch zwar sehr interaktiv wirken, doch führt dies nicht automatisch zu einem lernwirksamen Interaktionsprozess. Anderson (2003) betont deshalb, dass nicht jede Interaktivität zu pädagogisch wertvoller Interaktion führt. Entscheidend ist, ob Lernende durch die Gestaltung der Lernmaterialien Lernende tatsächlich zu kognitiver Aktivität anregt.
Fokus auf die kognitive Ebene
Für die Gestaltung von Lernmaterialien im Selbststudium ist die kognitive Ebene entscheidend:
- Welche Denkprozesse werden ausgelöst?
- Wie tief wird Information verarbeitet?
- Welche Aktivitäten führen zu vertieftem Verständnis?
Um diese Ebene systematisch zu beschreiben, bietet sich das ICAP-Framework an.
Quellen/Links:
Anderson, T. (2003). Getting the Mix Right Again: An Updated and Theoretical Rationale for Interaction. The International Review of Research in Open and Distributed Learning, 4(2). https://doi.org/10.19173/irrodl.v4i2.149
Moore, M. G. (1989). Editorial: Three types of interaction. American Journal of Distance Education, 3(2), 1–7. https://doi.org/10.1080/08923648909526659
Abgerufen von https://www.researchgate.net/publication/237404371_Three_Types_of_Interaction
Zumbach, J. (2021). Digitales Lehren und Lernen. W. Kohlhammer GmbH. https://doi.org/10.17433/978-3-17-036572-8
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